Bienenjagende Knotenwespe (Cerceris rybyensis)
Steckbrief:
Länge: ♀: etwa 8-12 mm, ♂: 6-10 mm
Körper: knotenförmiger 1. Hinterleibsabschnitt, Trennung der Hinterleibsabschnitt durch leichte Einschnürungen
Färbung: Grundfarbe schwarz mit Muster aus gelben Flecken und Binden auf dem Hinterleib, auf dem 3. Hinterleibsabschnitt breite gelbe Binde mit schwarzem Dreieck in der Mitte, gelbe Gesichtsmaske, gelbe Schienen, Oberschenkel des vorderen und mittleren Beinpaares schwarz und gelb, Oberschenkel des hinteren Beinpaares rot oder rot und schwarz.
Artbeschreibung:
Die Bienenjagende Knotenwespe (Cerceris rybyensis) gehört zur Familie der Grabwespen (Crabronidae) innerhalb der Gruppe der Spheciformes. Der Name der Familie leitet sich von dem Verhalten der Weibchen der meisten Gattungen dieser Familie ab. Grabwespen betreiben Brutfürsorge und graben ihre Nester entweder im Boden (Name!) oder legen ihre Nester in Insektenfrassgängen im Holz oder in dürren Pflanzenstengeln an.[14]
Charakteristisch und namengebend für die Gattung Cerceris ist die knotenförmige Ausbildung des 1. Hinterleibsabschnittes. Die folgende Hinterleibsabschnitte sind durch Einschnürungen deutlich gegeneinander abgegrenzt. Die ganze Körperoberfläche ist fein bzw. grob punktiert.[2, 3]

Der 1. Hinterleibsabschnitt ist bei der Bienenjagenden Knotenwespe (Cerceris rybyensis) knotenartig verdickt. Die Hinterleibsabschnitte sind durch Einschnürungen voneinander abgegrenzt. Foto: M. Neitzke
Die Bienenjagende Kotenwespe ist eine mittelgroße Grabwespe von schwarzer Grundfarbe. Der schwarze Hinterleib weist ein Muster aus gelben Streifen und Flecken auf, das aber sehr variabel ist. „Typisch“ gefärbte Tiere zeigen auf der 2. Rückenplatte (2. Tergit) 2 gelbe Basalflecken auf. Die dritte Rückenplatte ist gelb mit einem mehr oder weniger großen, schwarzen meist dreieckigen Fleck in der Mitte. Die vierte Rückenplatte kann ganz schwarz oder schwarz mit einem Paar gelber Flecken an den rückwärtigen Ecken sein. Die fünfte Rückenplatte weist wiederum eine kräftige, vorn ausgerandete gelbe Endbinde auf.[1, 2, 3, 4, 5, 7, 8, 9, 12,13]

Ein Weibchen der Bienenjagenden Knotenwespe (Cerceris rybyensis) besucht die Blüten der Gemeinen Schafgarbe (Achillea millefolium). Ihr Hinterleib zeigt die „typische“ gelbe Zeichnung bestehend aus 2 gelben Flecken an der Bais der 2.Rückenplatte, einem breiten, in der Mitte ausgerandeten Band auf der 3. Rückplatte, 2 sehr kleinen Flecken an den rückwärtigen Ecken der 4. und eine ausgerandete gelbe Endbinde auf der 5. Rückenplatte. Deutlich ist die grobe Punktierung der Körperoberfläche der Bienenjagenden Knotenwespe zu erkennen. Fotos: M. Neitzke
Das Gesicht wird beherrscht von der gelben, ausgedehnten Gesichtsmaske und den großen, ovalen Komplexaugen seitlich am Kopf. Zusätzlich zu den Komplexaugen befinden sich auf dem Scheitel noch 3 kleine, in einem Dreieck angeordnete Punktaugen, die Ocellen. Diese dienen als Lichtsinnesorgane und zur Flugstabilisierung.

Das Gesicht der Bienenjagenden Knotenwespe wird von der gelben Gesichtsmaske und den gro0en ovalen Komplexaugen dominiert. Auf dem Scheitel liegen drei kleine Punktaugen. Foto: M. Neitzke
In auffälligem Kontrast zu der überwiegend dunklen Färbung des Körpers steht die Musterung der Beine. Während die Schienen und Füße aller drei Beinpaare hell gelb sind, sind Oberschenkel der beiden ersten Beinpaare schwarz und gelb gemustert, der Hinterschenkel des 3. Beinpaares ist dagegen rot oder schwarz und rot.[4, 5, 12, 13]

Während die Schienen aller drei Beinpaare hell gelb gefärbt sind, sind die Oberschenkel entweder schwarz und gelb (ersten beiden Beinpaare) oder rot und schwarz (letztes Beinpaar). Foto: M. Neitzke
Männchen und Weibchen der Bienenjagenden Knotenwespe unterscheiden sich durch ihre Größe, die Anzahl der Hinterleibsabschnitte und die der Antennenglieder. Die Männchen sind mit einer Körperlänge von 6-10 mm etwas kleiner als die Weibchen, die durchschnittlich eine Körperlänge von 8-12 mm erreichen. Der Hinterleib der Männchen weist 7 sichtbare Abschnitte auf, der der Weibchen dagegen nur 6. Die Anzahl der Antennenglieder beträgt bei den Männchen 13, bei den Weibchen nur 12.[2, 3, 12]

Die Männchen der Bienenjagenden Knotenwespe sind kleiner als die Weibchen, wie der Größenunterschied der sich paarenden Wespen auf dem Blutroten Storchschnabel (Geranium sanguineum) (rechts) zeigt. Auf der Blüte des Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare) hat sich das Paar bereits getrennt und das kleinere, schlankere Männchen sitzt auf dem Rand der Zungenblüten (links). Fotos: M. Neitzke
Lebensweise:
Die erwachsenen Tiere der Bienenjagenden Knotenwespe ernähren sich von Pollen und Nektar. Da sie nur über sehr kurze Mundwerkzeuge verfügen (etwa 1,5 mm) sind sie für eine Nektarmahzeit auf Blüten mit offen dargebotenem Nektar oder Blüten mit kurzen Blütenkronröhren angewiesen.[11] Sie sind daher besonders häufig auf Blüten von Arten aus der Familie der Doldenblütengewächse (Apiaceae) und der Korbblütengewächse (Asteraceae) anzutreffen. Bei den Doldengewächsen trägt der unterständige Fruchtknoten am oberen Ende unter den Griffeln ein polsterförmig aufgewölbtes Gewebe, das Nektar produziert. Diese nektarproduzierende Drüsengewebe wird entweder nach seiner Funktion als Nektarium oder nach seinem Aussehen als Griffelpolster oder Diskus bezeichnet. Der Nektar muss von den blütenbesuchenden Insekten nur noch „abgeleckt“ werden.[6] Eine große Anziehungskraft üben auch Arten der Korbblütengewächse (Asteraceae) mit kurzen Kronröhren auf die Bienenjagende Knotenwespe aus. In den engen Kronröhren kann der Nektar kapillar aufsteigen und ist damit auch für Insekten mit kurzen Mundwerkzeugen zugänglich. Aber auch Arten aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae), die kleine glöckchenförmige Blüten besitzen, wie beispielsweise die Minzarten (Mentha spec.), der Wolfstrapp (Lycopus europaeus) oder der Wilde Dost (Origanum vulgare) werden von der Bienenjagenden Knotenwespe aufgesucht. Während ihres Blütenbesuches pudern sie sich an dem ganzen Körper mit Pollen ein, den sie dann zwischen den Blüten hin- und hertransportieren können und so einen wichtigen Beitrag zur Fremdbestäubung der von ihnen besuchten Arten leisten.

Bienenjagende Knotenwespen fressen den Pollen (links) und trinken den von den Blüten der Gemeinen Schafgarbe (Achillea millefolium) aus der Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae) bereit gestellten Nektar (rechts). Fotos: M. Neitzke

Auch bei einem Besuch der Blüten der Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare) aus der Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae) nutzt die Bienenjagende Knotenwespe sowohl das Pollen- (links) als auch das Nektarangebot (rechts). Fotos: M. Neitzke

Obwohl die Blüten des Gemeinen Wasserdosts (Eupatorium cannabinum, Korbblütengewächse (Asteraceae)) mit 4 – 5 mm etwas länger sind als die kurzen Röhrenblüten der Gemeinen Schafgarbe (2mm) und der Wiesen-Margerite (3 mm), kann auch hier die Bienenjagende Knotenwespe noch den kapillar in den engen Blütenröhren aufsteigenden Nektar mit ihren kurzen Mundwerkzeugen ausbeuten. Fotos: M. Neitzke

Die weiten, glöckchenförmigen, nur 4-8 mm langen Blüten der Polei-Minze (Mentha pulegium) gestatten der Bienenjagenden Knotenwespe trotz ihrer kurzen Mundwerkzeuge den Zugang zum Nektar am Grund der Blüte. Fotos: M. Neitzke

Die weite Öffnung der 4-6 mm langen glöckchenförmigen Blütenkrone des Wolfstrapps (Lycopus europaeus) erlaubt der Bienenjagenden Knotenwespe ihren Kopf weit in die Blütenkronröhre hineinzustecken. Fotos: M. Neiztke

Während die Bienenjagende Knotenwespe über die Blütenköpfe der Korbblütengewächse (links: Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium), rechts; Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare) marschiert, streift sie mit ihrer Körperoberfläche den Pollen von den Blüten ab.[6] Fotos: M. Neitzke

Mit Pollen beladen, fliegen sie zu dem nächsten Blütenstand und können dort den Pollen auf empfängnisbreiten Blüten abladen und so einen wichtigen Beitrag zur Fremdbestäubung der betreffenden Art (hier: Gemeine Schafgarbe (Achillea millefolium) leisten. Fotos: M. Neitzke
Die Bienenjagenden Knotenwespen fliegen in einer Generation von Juni bis September.[1] Während dieser Zeit findet auch die Paarung statt.

Auch die „wichtigste Nebensache der Welt“ kann die Bienenjagende Knotenwespe nicht von ihrer Pollen- bzw. Nektarmahlzeit abhalten. Fotos: M. Neitzke

Bei der Partnersuche kann es auch schon mal zu einem Irrtum kommen, zumal wenn das Objekt der Wahl ebenfalls eine schwarz-gelbe Musterung aufweist und dazu noch besonders groß ist. Eine Bienenjagende Knotenwespe steuert im Sturzflug eine viel größere Pillenwespe (Eumenes spec.) an (rechts). Fotos: M. Neitzke
Die Bienenjagende Knotenwespe gehört zu den solitär lebenden Wespenarten. Sie bildet also keine sozialen Verbände wie unsere Honigbiene oder die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) und die Deutsche Wespe (Vespula germanica). Jedes Weibchen baut für seinen Nachwuchs ihre eigenen Nester. Die Nester werden in den Boden gegraben und bestehen aus einem 10-15 cm langen Hauptgang, der zunächst steil abwärtsführt. Von diesem zweigen dann eher horizontal verlaufende Nebengänge ab, an deren Ende die Brutzellen liegen. Die Nester werden mit Hilfe der Vorderbeine und der kräftigen Mundwerkzeuge gegraben. Die traubenförmigen Nester bestehen aus höchsten 7 Zellen. In jede Zelle werden als Proviant für die geschlüpften Larven 4-8 gelähmte Beutetiere eingetragen. Die Bienenjagende Knotenwespe jagt, anders als der Bienenwolf keine Honigbienen, sondern vor allem kleine Furchen- und Schmalbienen (Halictus, Lasioglossum), aber auch Seidenbienen (Colletes), Sandbienen (Andrena) und Zottelbienen (Panurgus). Ist jede Zelle mit einem Ei bestückt, werden die Zellen verschlossen und der Nebengang verfüllt. Am Ende der Eiablage, wird auch der Hauptgang verschlossen.[2, 5, 14] Nachdem die weißliche bis gelblich-weiße, madenartige Larve die noch lebende, gelähmte Biene verzehrt hat, tritt sie in eine Ruhephase ein. Sie spinnt sich in einen festen seidenartigen Kokon ein, in dem sie überwintert. Die Verpuppung erfolgt erst im darauffolgenden Jahr. Die nächste Generation der Bienenjagenden Knotenwespen schlüpft dann ab Anfang Juni.[2]

Eine Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae) geht ihrer Nahrungssuche und dem Geschäft des Pollensammelns auf einem Blütenköpfchen des Großen Flohkrauts (Pulicaria dysenterica) nach, ohne die Gefahr aus der Luft zu ahnen. Eine Bienenjagende Knotenwespe (Cerceris rybyensis) hat sich im Sturzflug, wie aus dem Nichts kommend, auf die 12-14 mm große, kräftige Wildbiene gestürzt. Fotos: M. Neitzke

Durch den heftigen „Zusammenstoß“ werden die Wespe und ihr Opfer eine Etage tiefer auf die breiten Stängelblätter des Flohkrauts katapultiert. Fotos: M. Neitzke

Zum Schluss wird die gelähmte Biene um ihre Längsachse gedreht und für den Abtransport in eine Bauch- an Bauch-Stellung gebracht. Bei dem Transport umgreift die Wespe die gelähmte Beute mit ihrem mittleren Beinpaar. Zusätzlich hält sie die Biene mit ihren Mandibeln an den Fühlern.[10, 14] Fotos: M. Neitzke

Eine Rainfarn Herbstsandbiene (Andrena denticulata) (links), die zu dem Beutespektrum der bienenjagenden Knotenwespe (Cerceris rybyensis) gehört, und die Jägerin auf einer Pflanze der Kanadischen Goldrute (Solidago canadensis). Das kann nicht gut gehen! Die Rainfarn Herbstsandbiene ist eine Art die auf arten aus der Familie der Korbblütengewächse (Asteraceae) spezialisiert ist. Bestimmte Arten werden jedoch nicht bevorzugt.[14] Fotos: M. Neitzke

Ein Weibchen der Bienenjagenden Knotengrabwespe (Cerceris rybyensis) hat eine etwa gleich große Rainfarn Herbstsandbiene (Andrena denticulata) (10 – 12 mm) erbeutet und ist mir ihr auf den großen Stängelblättern gelandet. Sie hat ihre gelähmte Beute in die Transporthaltung gebracht, um sie zum Nest zu transportieren. Die Arbeiterin der Rainfarn Herbstsandbiene hat sich zuvor reichlich mit dem gelben Pollen der Blüten der Kanadischen Goldrute eingepudert. Fotos: M. Neitzke
Aber nicht immer bedeutet eine erfolgreiche Jagd auch, dass die Beute sicher zum Nest transportiert werden kann, wie das Beispiel der erfolgreichen Jägerin auf dem Blütenstand eines Giersch zeigt.

Eine Bienenjagende Knotenwespe (Cerceris rybyensis) hat auf dem Blütenstand einer Gierschpflanze (Aegopodium podagraria) eine frühe Doldensandbiene (Andrena proxima) gefangen (Mitte, rechts) und versucht nun sie durch einen gezielten Stich zu lähmen. Die frühe Doldensandbiene ist auf Doldenblütler (Apiaceae) als Pollenquelle spezialisiert (links). Fotos: M. Neitzke

Bei dem Versuch ihre Beute zu überwältigen, wird sie von einem paarungswilligen Männchen attackiert. Ein heftiges Gerangel zu dritt ist die Folge. Fotos: M. Neitzke

Der Versuch des Männchens das Weibchen zu begatten, endet mit dem Verlust der Beute für das Weibchen. Fotos: M. Neitzke
Literatur:
- Bellmann, H. (2017): Bienen Wespen Ameisen. Kosmos-Naturführer, Franckh-Kosmos, Stuttgart, 334 S.
- Blösch, M. (2012) Grabwespen. Illustrierter Katalog der einheimischen Arten. NBB Scout, Band 2., 1. Aufl., Westarp Wissenschaften, Hohenwarsleben, 219 S.
- Dollfuss, H. (1991): Bestimmungsschlüssel der Grabwespen Nord- und Zentraleuropas (Hymenoptera, Sphecidae). Stapfia, 24, Linz, 247 S.
- http://www.insektenbox.de
- https://arthopodafotos.de
- https://www.biodiverisität-und-schönheit.de
- https://insekten-sachsen.de
- https://www.naturspaziergang.de
- https://www.wildbienen.de
- Jacobi, B. (1995): Der Beutefang zweier Cerceris Arten (Hymenoptera, Sphecidae, Philanthinae). Verh. Westd. Entom. Tag. 1995, 291-226. Löbbecke-Mus, Düsseldorf 1996.
- Kugler, H. (1970): Blütenökologie, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, 2. Aufl. 345 S.
- Krischan, O. (2026): Cercis rybyensis. Kerfdier, www.kerfdier.nl. Accessed on 6 February 2026.
- Schmidt, K. (2000): Bestimmungstabelle der Gattung Cerceris Latereille, 1802 in Europa, dem Kaukasus, Kleinasien, Palästina und Nordafrika (Hymenoptera, Sphecidae, Philanthinae). Stapfia, 71, Linz.
- Westrich, P. (2018): Die Wildbienen Deutschlands. Eugen Ulmer, Stuttgart, 821 S.

