Breitflügeliger Raupenfliege (Ectophasia crassipennis)
Die Breitflügelige Raupenfliege (Ectophasia crassipennis) gehört zur Familie der Raupenfliegen (Tachinidae). Sie ist von April bis September vor allem im offenen Gelände anzutreffen. Die auffällig bunten Fliegen erreichen eine Körperlänge von 5-9 mm. Die Weibchen sind in der Regel etwas kleiner als die Männchen, von denen sie sich zudem durch die Zeichnung des Hinterleibes unterscheiden. Der Hinterleib der Männchen weist eine gelb-orangene Grundfarbe auf. Auf der Mitte des Hinterleibes zieht sich eine breite, auffällige, schwarze Längsbinde entlang. Bei den Weibchen verläuft lediglich im vorderen Teil des, wie bei den Männchen gelb-orange gefärbten Hinterleibes, mittig ein schwarzes Längsband. Der größte Teil des Hinterleibes ist dagegen bis auf das weiß-gräulich gefärbte Hinterleibsende (Hinterleibsabschnitt 5) vollkommen schwarz gefärbt. Der Hinterleib der Männchen ist auffallend flach. Die Oberseite der Brust (Thorax) ist bei beiden Geschlechtern über ihre gesamte Breite golden bis messingfarben bestäubt. Allerdings ist diese auffällige Färbung bei den Männchen stärker ausgedehnt als bei den Weibchen.[1, 2, 3, 4, 6, 8]

Männchen (links) und Weibchen (rechts) der Breitflügeligen Raupenfliege (Ectophasia crassipennis) unterscheiden sich durch die Färbung und Musterung des Hinterleibes. Fotos: M. Neitzke

Der Hinterleib der Männchen Breitflügeligen Raupenfliege (rechts) ist auffallend abgeplattet. Fotos: M. Neitzke

Die goldene bis messing-farbene Bestäubung der Brustoberseite ist bei den Männchen (links) stärker ausgeprägt als bei den Weibchen. Auffällig sind die großen, ebenfalls gold- bis messingfarbigen Flügelschüppchen (Calyptra) zu beiden Seiten des Schildchens (Scutellum). Fotos: M. Neitzke
Die Männchen der Breitflügeligen Raupenfliege zeichnen sich, neben der kontrastreichen Färbung, durch stark verbreiterte Flügel mit dunkel gefärbten Flügeladern und einem markanten Muster aus schwarzen Flecken auf. Diesem Merkmal hat diese Raupenfliege auch ihren deutschen Trivialnamen „Breitflügelige“ Raupenfliege zu verdanken. Die Flügel der Weibchen sind deutlich schmaler als die der Männchen. Im Gegensatz zu denen der Männchen sind die Flügelspitzen klar durchsichtig. Auch fehlt das auffällige Muster aus dunklen Adern und Flecken. Lediglich in der Mitte der Flügel befindet sich ein ausgedehntes dunkles Mal. Die Basis der Flügel ist bei beiden Geschlechtern gelb gefärbt. Besonders auffällig sind die großen, ebenfalls gold- bis messingfarbigen Flügelschüppchen (Calyptra, Squamula), die das schwarze Schildchen flankieren. Es handelt sich hierbei um kleine häutige Ausbuchtung am Flügelansatz, die dazu dienen die Schwingkölbchen (Halteren, die zurückgebildeten Hinterflügel) die als Gleichgewichtsorgane fungieren, zu bedecken und zu schützen.[1, 2, 3, 4, 6, 8]

Die Männchen der Breiflügeligen Raupenfliege zeichnen sich durch stark verbreitete, dunkel gefleckte Flügel aus. Fotos: M. Neitzke.

Die Flügel der Weibchen der Breitflügeligen Raupenfliege sind deutlich schmaler als die der Männchen und weisen nur einen, allerdings sehr großen schwarzen Fleck in der Mitte der Flügel auf. In starkem Kontrast dazu steht die gelb gefärbt Basis der Flügel. Fotos: M. Neitzke.
Der breite Kopf (fast doppelt so breit wie hoch) der Breitflügeligen Raupenfliegen mit dem hellen, silbrig behaarten Gesicht wird durch die großen roten Facettenaugen beherrscht. Diese stehen bei den Männchen deutlich weiter auseinander als bei den Weibchen. Im Scheitelbereich zwischen den beiden Komplexaugen liegen drei Punktaugen (Ocellen), die in einem Dreieck angeordnet sind. Diese dienen in erster Linie der Messung der Helligkeit, der Orientierung zum Licht und der Stabilisierung des Fluges. Der Scheitelbereich (Frons) weist häufig eine goldene oder gelbe Bestäubung auf, die oft erst bei einem bestimmten Lichteinfall oder in der Seitenansicht zu sehen ist.

In starkem Kontrast zu dem hellen, silbrig behaarten Gesicht der Breitflügeligen Raupenfliege stehen die großen, roten Komplexaugen. Diese liegen bei den Männchen (oben) deutlich weiter auseinander als bei den Weibchen. Deutlich zu erkennen ist goldene Bestäubung des Scheitelbereiches (Frons). Foto: M. Neitzke
Lebensweise
Die erwachsenen Tiere ernähren sich von Pollen und Nektar. Aufgrund ihrer nur etwa 4 mm langen Rüssel bevorzugen sie Pflanzenarten, die ihren Nektar off darbieten.[7] Sie sind daher besonders häufig auf den Blüten des Efeus (Hedera helix) und Vertretern der Doldenblütengewächse (Apiaceae) anzutreffen.[5] Aber auch Blüten mit einer kurzen Blütenkronröhre, wie sie in der Familie der Korbblütengewächse auftreten, werden häufig von ihnen aufgesucht. Bei ihren Blütenbesuchen streifen sie den Pollen mit ihrer Körperoberfläche ab und können ihn dann zu anderen Blüten transportieren. Als Bestäuber spielen sie in unseren heimischen Ökosystemen daher eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Die Breitflügelige Raupenfliege ist im Spätsommer und Herbst häufig auf den Blüten des Efeus (Hedera helix) anzutreffen. Der Nektar wird von dem Drüsengewebe an der Oberfläche des Fruchtknotens häufig in so großen Mengen abgeschieden, dass dieser auskristallisiert und dann die Oberfläche des Fruchtknotens mit einer weißen kristallinen Schicht bedeckt. Die Raupenfliege kann ihn dann problemlos abschlecken.[5] Fotos: M: Neitzke

Auch viele Arten aus der Familie der Doldenblütengewächse (Apiaceae) werden bevorzugt von der Breitflügeligen Raupenfliege besucht (links: Giersch (Aegopodium podagraria), rechts: Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium). Ähnlich wie beim Efeu wird bei den meisten Arten dieser Familie der Nektar offen, also nicht durch Blütenblätter verdeckt dargeboten, so dass er auch für Insekten mit kurzen Rüsseln leicht zugänglich ist.[5] Fotos: M. Neitzke

Die Breitflügelige Raupenfliege (Ectophasia crasssipennis) ist ebenfalls ein eifriger Blütenbesucher der Gemeinen Schafgarbe (Achillea millefolium). Der Nektar wird am Grund der nur 2 mm langen Kronröhre von einem Drüsengewebe abgesondert, das die Griffelbasis ringförmig umschließt. Er steigt bis in das nur 1 mm große Blütenglöckchen empor und ist daher auch für kurzrüsselige Insekten erreichbar.[5] Fotos: M. Neitzke

Bei ihren Blütenbesuchen, wie hier der Blüten der Kanadischen Goldrute (Solidago canadensis) streifen die Breitflügeligen Raupenfliegen den Pollen mit ihrem Körper ab. Diesen übertragen sie dann bei ihrem nächsten Blütenbesuch auf reife Narben der Blüten einer anderen Pflanze und reihen sich so in das Heer der Bestäuber der Pflanzen unserer heimischen Lebensräume ein. Fotos: M. Neitzke
Die Larven sind im Gegensatz zu ihren Elterntieren auf tierisches Eiweiß für ihre Entwicklung angewiesen. Die Larven entwickeln sich in Wanzen. Das Weibchen sticht hierfür Wanzen an und legt ein Ei in die Wanze. Die aus dem Ei schlüpfende Larve lebt als Innenparasit in der Wanze bis diese abstirbt. Parasitiert werden Arten von Baumwanzen (Pentatomidae), Stachelwanzen (Acanthosomatidae), Randwanzen (Coreidae) und Bodenwanzen (Lygaidae).[2]

Zu den Wirten der Breitflügeligen Raupenfliege gehören die Große Randwanze oder Lederwanze (Coreus marginatus) (links) aus der Familie der Randwanzen (Coreidae), die Streifenwanze (Graphosoma italicum) (oben rechts) und die Beerenwanze (Dolycoris baccarum) (unten rechts), die beiden letzteren aus der Familie der Baumwanzen (Pentatomidae). Fotos: M. Neitzke
Literatur:
- Bellmann, H. (1999): Der neue Kosmos-Insektenführer. Kosmos-Naturführer, Franckh-Kosmos, Stuttgart, 446 S.
- http://www.insektenbox.de
- https://arthopodafotos.de
- https://insekten-sachsen.de
- https://www.biodiverisität-und-schönheit.de
- https://www.naturspaziergang.de
- Kugler, H. (1970): Blütenökologie, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, 2. Aufl. 345 S.
- Tschorsnig, H.-P. & B. Herting (1994): Die Raupenfliegen (Diptera: Tachinidae) Mitteleuropas: Bestimmungstabellen und Angaben zur Verbreitung und Ökologie einzelner Arten. Stuttgarter Beitr. Naturk., Ser. A, 506: 170 S.
