Die Kartäusernelke (Dianthus carthusianorum L.) - Pflanze der Mönche und Götter 

  • Bedeutung der Kartäusernelke für Biodiversität und menschliches Wohlbefinden
  • Botanischer Exkurs - Öffnung der „Nektarbar“ nur für Tagfalter
  • Blütenbesucher der Kartäusernelke – wenn ein langer Rüssel von Vorteil ist

Bedeutung der Kartäusernelke für Biodiversität und menschliches Wohlbefinden


Die auffällig purpurrot blühende, 10-40 cm hohe Kartäusernelke bevorzugt warme, trockene, meist kalkreiche Böden. Sie wächst daher auf Magerrasen, Heiden, trockenen Dammböschungen, in Felsspalten, in sandigen Wäldern und an trockenen Waldrändern.[2, 14, 18, 21] Aufgrund eines zunehmenden Verlustes ihrer Lebensräume sind ihre Bestände in Deutschland rückläufig. Die Kartäusernelke steht in Deutschland daher bundesweit auf der Vorwarnliste. In vielen Bundesländern (Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen) wird sie als gefährdet (Kategorie 3), in Berlin, Sachsen und dem Saarland als stark gefährdet (Kategorie 2) und in Hamburg und Schleswig-Holstein sogar als „vom Aussterben bedroht“ (Kategorie 1) eingestuft.[10] Nach dem Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) und der Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV) gilt sie als besonders geschützt.[8, 10]  


Die Kartäusernelke wächst an warmen, trockenen Standorten, wie Magerrasen, warmen Waldsäumen oder Böschungen. Hier bietet sie zahlreichen Schmetterlingen (rechts: Schwarzkolbige Braun-Dickkopffalter (Thymelicus lineola)) ein üppiges Nektarangebot. Fotos: M. Neitzke

Nelken wurden aufgrund ihres besonderen Duftes und der Schönheit ihrer Blüten bereits in der Antike hochgeschätzt und mit den Göttern in Verbindung gebracht. Der griechische Naturforscher Theophrastos von Eresos (371 – 287) beschrieb als erster verschiedene Nelkenarten und prägte für sie den Namen „diosanthos“, was „Blume des Zeus“ oder „göttliche Blume“ bedeutet. Aus ihm entwickelte sich später der botanische Gattungsname „Dianthus“, mit dem der schwedische Naturforscher Linné (1707 – 1778) in seinem Werk “Species Plantarum“ die Pflanzengattung der Nelken wissenschaftlich beschrieb und benannte.  Der heutige Gattungsname „Dianthus“ bedeutet also frei übersetzt „Blüte des Zeus“ und setzt sich aus den Wörtern „dios“, dem Genitiv des Namens des Göttervaters Zeus und „anthos“ für „Blüte“ zusammen.[2,7]


Der Göttervater Zeus wird häufig zusammen mit einem Adler abgebildet, da Zeus den Adler zu seinem Symboltier machte (links) [22] Der Adler war Zeus heilig und soll ihm bei zahlreichen seiner Unternehmungen geholfen haben. Angeblich hat er dem Göttervater die Blitzbündel gebracht, die dieser als Waffe benutzte. Ebenso häufig wird Zeus auch mit einer seiner zahlreichen Geliebten, wie beispielweise der Tochter des Flussgottes Inachos, der Königstochter Io, dargestellt. Um seine Affäre vor seiner Gatting Hera geheim zu halten, verwandelte er Io in eine Kuh (rechts). In dem Park von Sanssouci in Potsdam zeigt eine Figur des berühmten Fontänen Rondells vor den Weinbergterrassen Zeus mit seiner in eine Kuh verwandelten Geliebten Io. Das Original von Francois Gaspard Adam (1758) wurde 2003 durch eine Kopie von Wolfgang Wille (2003) ersetzt. Fotos: M. Neitzke

Der Name der Kartäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum) geht sehr wahrscheinlich auf den Orden der Kartäuser, der im Jahre 1084 durch Bruno von Köln in der einsamen Gebirgsgegend Chartreuse bei Grenoble gegründet wurde, zurück. Hier entstand das Mutterkloster des Kartäuserordens, La Grande Chartreuse, die Große Kartause und gab dem Orden seinen Namen. 1145 wurde ein weiblicher Zweig des Ordens gegründet. Ab 1200 breitete sich der Orden rasch aus. In der Blütezeit des Ordens existierten in Europa über 270 Kartausen. In den zu den Klöstern gehörenden Gärten sollen die Mönche und Nonnen die Kartäusernelke angepflanzt und gezüchtet haben. Sie zählte offenbar zur Standardbepflanzung vieler der einzelnen Klostergärten der Patres.[6, 13] Da im Mittelalter der Austausch von Samen und Heilpflanzen zwischen verschiedenen Orden durchaus üblich war, dürfte die Kartäusernelke schnell auch in den Klostergärten anderer Orden angepflanzt worden sein. Die erste Nennung als „Carthäuserblümlein“ findet sich bei Joachim Camerarius der Jüngere in „Hortus medicus et philosophicus“ (1588).[6] Die Mönche und Nonnen nutzten den Saft der ganzen Pflanze v.a. als schmerzstillendes und entzündungshemmendes Mittel zur Behandlung von Rheuma und Schmerzen des Bewegungsapparates (Muskeln, Knochen, Gelenke, Sehnen, Bänder). Sie trugen den Saft der Pflanze oder daraus hergestellte Tinkturen auf Gelenke und Muskeln auf. Die wirksamkeitsbestimmenden Inhaltsstoffe der Kartäusernelke sind Saponine und Eugenol, die in allen Pflanzenteilen enthalten sind. Bei den Saponinen handelt es sich um seifenartige, sekundäre Pflanzenstoffe, die in Verbindung mit Wasser einen seifenähnlichen Schaum bilden. Sie wirken entzündungshemmend, antibakteriell, harn- und schweißtreibend sowie gegen Pilze. Bei Erkältungen helfen sie den dickflüssigen Schleim zu lösen und abzutransportieren.[9,20] Diese Eigenschaften der Saponine könnten den Einsatz der Kartäusernelke in der Volksmedizin als hustenstillendes bzw. hustenlinderndes, harn- und schweißtreibendes Mittel erklären.[1, 5] Die Stärkung des Nervensystems bei Schwäche oder nervöser Erschöpfung gehört in einigen Ländern verwende ebenfalls zu den Heilanzeigen der Kartäusernelke.[1, 5]

Auch das in der Pflanze enthaltene Eugenol wirkt gegen Bakterien und Pilze, antioxidativ, zudem entzündungshemmend, aber auch schmerzstillend und örtlich betäubend. In wissenschaftlichen Studien zeigte Eugenol ein hohes Potential zur Unterstützung von Rheuma (rheumatoider Arthritis) und entzündeten Gelenkserkrankungen, was die Heilanwendungen der Kartäusernelke durch die Ordensangehörigen durchaus als plausibel erscheinen lässt.[4] Der in der Volksheilkunde übliche Einsatz der Kartäusernelke bei Wurmbefall dürfte ebenfalls mit der Wirkung von Eugenol zu erklären sein, da Eugenol gegen Fadenwürmer (Nematoda) und ähnlichen Wurmbefall wirkt. Er hilft auch gegen Milben und Zecken und ist ein effektives Insektenvertreibungsmittel. Die ebenfalls praktizierte Anwendung gegen die Pest, dürfte allerdings wirkungslos geblieben sein. Eugenol, ein Phenylpropanoid, ist auch der Hauptwirkstoff aus dem ätherischen Öl der Gewürznelken. Das Eugenol verleiht sowohl den Nelken als auch den Gewürznelken ihren typischen Geruch. In Europa sind Gewürznelken seit dem führen Mittelalter bekannt. Sie waren nicht nur ein begehrtes Gewürz, sondern wurden in der Heilkunde gegen Zahnschmerzen, Ohnmacht, Schwindel und Magenproblemen eingesetzt. Noch heute gilt das Kauen von Gewürznelken bei Zahnschmerzen als probates Hausmittel. Die Heimat der Gewürznelken sind die Molukken, die sog. Gewürzinseln, die heute zu Indonesien gehören. Die Gewürznelken waren wie viele andere Gewürze ein begehrtes Handelsgut und zum Teil wertvoller als Gold. Ihr Handel wurde Jahrhundertelang durch Handelsimperien kontrolliert. Sie waren Anlass für Kriege (Nelkenkrieg zwischen Spanien und Portugal auf den Molukken 1522, Niederländisch-portugiesischer Krieg 1601-1663 auf den Molukken) und schwere Kolonialverbrechen. Da Gewürznelken für die Mönche und Nonnen, sowie die einfache Bevölkerung unerschwinglich waren, konnten sie sich glücklich schätzen, dass in ihren heimischen Klostergärten eine Pflanze mit demselben Wirkstoff wuchs, auch wenn ihr Gehalt deutlich geringer ist als in dem tropischen Gewächs. Leider liegen keine wissenschaftlichen Untersuchungen über die Wirkung der Kartäusernelke vor, so dass nur aus Kenntnissen der bekannten Bestandteile auf ihre potentielle Wirkung geschlossen werden kann. Die vielversprechenden Ergebnisse aus Untersuchungen anderer Arten aus der Gattung „Dianthus“ lassen hoffen, dass sich die Wissenschaft auch der Kartäusernelke näher annimmt.[1]

Vielleicht ist die Kartäusernelke ja auch eine Zutat der berühmten Chartreuse, einem Kräuterlikör für dessen Herstellung der Orden der Kartäuser bekannt ist. Es handelt sich um einen grünen Kräuterlikör aus 130 verschiedenen Kräutern, der auf ein streng geheimes Rezept „für ein Elixier für ein langes Leben“ zurückgehen soll.[6] 


In der Kosmetik- und Körperpflegemittelindustrie ist die Kartäusernelke als kosmetischer Hautpflegeinhaltsstoff anerkannt, der wegen seiner hautpflegenden Wirkung geschätzt wird und Hautprobleme wie fettige Haut, Hyperpigmentierung und Anzeichen der Hautalterung lindern kann.[11] Allerdings wird er zurzeit nur selten verwendet. Dies mag an der unzureichenden Datenlage über seine Wirkungsweise liegen. Der Pflanzenextrakt wird aus den Blüten, Stängeln und Blättern gewonnen. Vermutet wird eine Reduzierung der Talgproduktion durch Hemmung der Lipoxygenaseaktivität und die Hemmung eines Enzyms, das für den Ab- und Umbau des Stützgewebes zwischen den Zellen (extrazelluläre Matrix) von Bedeutung ist, der sog. Matrix-Metalloproteinase-1 (interstitielle Kollagenase, MMP-1). Der Pflanzenextrakt soll dadurch einer Hauterschlaffung und der Bildung feiner Linien entgegenwirken. Zudem besitzt es antioxidative Fähigkeiten und kann er durch die Hemmung der Aktivität eines weiteren Enzyms, der Tyrosinase eine übermäßige Hautpigmentierung reduzieren.[12]


Die Kartäusernelke wird durch Insekten, vor allem durch Tagschmetterlinge bestäubt. Aufgrund ihres Blütenbaus sind nur Tagfalter mit ihren langen Rüsseln in der Lage den Nektar am Grund der Blütenkronröhre zu erreichen. Da die Staubbeutel und die Narbe weit aus der Blütenkronröhre herausragen kann auch eine Bestäubung durch pollenfressende Schwebfliegen erfolgen.[17]

Als Blütenbesucher der Kartäusernelke wurden 23 Schmetterlingsarten (Ebert) und 3 Arten aus der Familie der Schwebfliegen beobachtet. Fotos: M. Neitzke

Botanischer Exkurs - Öffnung der „Nektarbar“ nur für Tagfalter


Die Karthäuser Nelke ist eine 10-40 cm hohe, mehrjährige Staude mit auffälligen purpurroten Blüten aus der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae).[8] Die von Juni bis September blühenden Blüten werden vor allem von Tagfaltern bestäubt. Dies ist in dem besonderen Bau der Blüten der Karthäuser Nelke begründet. Da sind zum einen die Verwachsung der Kelchblätter zu einer engen relativ langen Röhre und zum anderen die „genagelten“ Blütenblätter. Was ist nun unter dem Begriff „genageltes“ Blütenblatt zu verstehen? Eine genaue Betrachtung der Blüten der Karthäuser Nelke zeigt, dass die Blütenblätter eine deutliche Zweiteilung in einen langgestreckten, verschmälerten, stielartigen unteren Abschnitt und einen verbreiterten, nahezu waagerecht abstehenden Endabschnitt aufweisen. Während die fünf Blütenblätter frei sind, sind die fünf Kelchblätter zu einer etwa 18 mm langen, relativ engen Röhre verwachsen, die die unteren, schmalen, stielartigen Abschnitte der Blütenblätter, die Staubfäden der 10 Staubblätter sowie den oberständigen Fruchtknoten mit den 2 fadenförmigen Griffeln eng umschließt. Der schmale, stielartige, in den Kelch eingeschlossene Abschnitt des Blütenblattes wird als „Nagel“, der waagerecht abstehende Endabschnitt als „Platte“ bezeichnet. Da die „Platte“ an den Kopf und der sog. „Nagel“ an den Stiel eines Nagels erinnern, spricht man bei diesem Aufbau eines Blütenblattes von einem „genagelten“ Blatt. Die Kelchblattröhre hält jedoch nicht nur die „Nägel“ der Kronblätter zusammen, sondern dient auch als Behälter für den Nektar, der an der Basis der Staubfäden abgesondert wird und sich an seinem Grund ansammelt.[15, 17] Zusammen bilden die waagerecht abstehenden Platten der fünf Blütenblätter eine Scheibe bzw. einen Teller mit einem Durchmesser von etwa 1,5- 2,5 cm.[19] Diese dient den blütenbesuchenden Insekten als Landeplatz und Ansitzhilfe. In der Blütenökologie werden Blüten bei denen ein flach ausgebreiteter Kronteil mehr oder weniger senkrecht auf einem röhrenförmigen Teil sitzt, als Stieltellerblumen bezeichnet.[6, 17] Diese Bezeichnung beruht auf der Ähnlichkeit dieser Blüten mit Serviertellern für Kuchen oder Gebäck, die aus einem mit Stiel unter einer Platte bestehen.


Die 5-12 mm langen, am vorderen Rand gezähnten Platten der Blütenkronblätter der Karthäuser-Nelke dienen den blütenbesuchenden Insekten als Landeplatz und Sitzplatz während ihrer Nektar- oder Pollenmahlzeit. Der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) gehört mit zu den häufigsten Blütenbesuchern der Karthäuser-Nelke. Fotos: M. Neitzke

Die Blütenblätter der Karthäuser Nelke (Dianthus carthusianorum) sind „genagelt“, d. h. sie bestehen aus einem unteren, schmalen, stielartigen Teil, dem sog. „Nagel“ und einem oberen, breiten Teil, der sog. „Platte“, die durch einen Knick deutlich vom „Nagel“ abgesetzt ist. Fotos: M. Neitzke

Der Innenraum der Kelchröhre misst im Durchmesser nur etwa 3 mm und ist dicht gefüllt von den darin befindlichen Stielen der fünf Kronblätter, von den zehn Staubfäden und dem Stempel, so dass nur sehr schmale, längsverlaufende Zwischenräume für das Vordringen eines Insektenrüssels übrigbleiben.[15] Honigbienen und Hummeln sind nicht in der Lage mit ihren zu kurzen und kräftigen Rüsseln durch die schmalen Zwischenräume bis zum tief geborgenen Nektar vorzudringen. Dies können nur Schmetterlinge mit ihren dünnen, ausreichend langen Rüsseln, die die Kartäuser-Nelke in hoher Zahl besuchen.[15, 17] Über 20 verschieden Schmetterlingsarten wurden bei dem Besuch der Blüten der Karthäuser-Nelke beobachtet.[3]

Obwohl die Gartenhummel (Bombus hortorum) mit einer Rüssellänge von 14-21 mm (je nach Kaste) zu den langrüsseligen Hummeln gehört, ist für sie auf Grund der Länge und Enge der Blütenkronröhre der Nektar der Blüten der Kartäuser-Nelke unerreichbar. Fotos: M. Neitzke

Ein häufiger Besucher der Blüten des Kartäuser-Nelke ist der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni). Sein rund 16-18 mm langer Rüssel erlaubt ihm auch den Nektar ihrer Blüten auszubeuten. Nach der Landung auf den waagerecht abstehenden Platten der Blütenblätter, entrollt er seinen Rüssel und führt ihn mit gekonntem Schwung in den Blüteneingang ein. Fotos: M. Neitzke 

Aufgrund der Länge der Blütenkronröhre von etwa 18 mm, muss der Zitronenfalter seinen Rüssel tief in diese hinabsenken, um an den Nektar zu gelangen. Fotos: M. Neitzke

Neben Schmetterlingen werden die Blüten der Kartäusernelke häufig von Schwebfliegen aufgesucht, die den blauen bis blaugrünen Pollen aus den Staubbeuteln fressen. Da die Staubbeutel und Narben die Kronröhre weit überragen kann eine Bestäubung gelegentlich auch durch pollenfressende Schwebfliegen erfolgen.[17]

Die Hainschwebfliege (Episyrphus balteatus) (links) und die Späte Großstirnfliege (Scaeva pyrastri) tupfen mit ihren Rüsseln den blauen Pollen aus den Staubbeuteln. Fotos: M. Neitzke

Um eine Selbstbestäubung zu vermeiden, reifen die Staubbeutel vor den Narben.[15, 17] 

In den Blüten der Karthäuser-Nelke reifen die Staubbeutel reifen vor den Narben. Sie sind vormännlich (proteandrisch). Ein Längsschnitt durch eine Blüte in der männlichen Phase, zeigt die reife, blauen Staubbeutel, die an den langen Staubfäden über die Blütenoberfläche hinausragen. Die beiden Griffeläste sind noch in der Kelchröhre verborgen. Foto: M. Neitzke 

Die Blüten der Kartäuser-Nelke befinden sich im männlichen Zustand. Die Staubfäden mit den auffällig blau gefärbten Staubbeuteln ragen aus der Öffnung der Blüte (links: Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni), rechts: Rostfarbige Dickkopffalter (Ochlodes sylvanus)). Fotos: M. Neitzke

In der weiblichen Phase haben sich die Griffeläste deutlich verlängert und die mit langen Papillen besetzten rötlich bis purpurrot gefärbten Narbenäste haben die Position der Staubbeutel eingenommen. Foto: M. Neitzke

Die Blüten der Kartäusernelke befinden sich im weiblichen Zustand. Die entleerten Staubbeutel sinken an den schlaffen Staubfäden auf die Platten der Blütenkrone, während sich nun die Griffeläste mit den empfängnisbereiten Narben immer weiter aus der Öffnung der Blütenkrone schieben (links: Späten Großstirnfliege (Scaeva pyrastri), rechts: Hainschwebfliege (Episyrphus balteatus)). Fotos: M. Neitzke

Um einen unbefugten „Nektarraub“ durch Insekten zu verhindern, die aufgrund der langen Blütenkronröhre auf „legalem“ Weg den Nektar nicht erreichen können und versuchen seitlich durch einen „Einbruch“ durch Anbeißen oder Anbohren an den Nektar zu gelangen, ist der Kelch von einem 4-blättrigen „Außenkelch“ aus Hochblättern umgeben.[2] Sieben bis 15 ungestielte oder nur kurz gestielte Blüten sind am Ende eines meist unverzweigten, kahlen Stängels zu einem kopfigen Blütenstand vereint.

Bei der Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum) sind die Blüten zu einem endständigen köpfchenförmigen Blütenstand vereint. Der Außenkelch (innere und äußere Außenkelchblätter) soll verhindern, dass Insekten, die den Nektar am Grunde der Blüte nicht mit ihrem Rüssel erreichen können, die Blüte am Grund aufbeißen. Ein Braunkolbiger Braun-Dickkopffalter (Thymelicus sylvestris) nutzt die Platte des Kronblattes als Ansitzfläche. Foto: M. Neitzke

Die Frucht ist eine länglich-becherförmige, vier zahnige Kapsel, die sich bei Trockenheit durch Zurückkrümmen der Zähne öffnet. Die flachen, schalenartigen, schwarzen Samen können dann durch Wind und Tiere ausgestreut werden. Im feuchten Zustand schließt sich die Kapsel wieder. Neben der generativen Vermehrung durch Samen, findet eine vegetative Vermehrung durch Verzweigungen des Rhizoms statt.[2] 

Die becherförmigen Kapseln werden auch nach ihrer Reife von dem Kelch und Außenkelch umhüllt. Sie öffnen sich bei Trockenheit mit 4 Zähnen. Die flachen Samen können nun mit Hilfe von Tieren und wind ausgestreut werden. Fotos: M. Neitzke

Die bis zu 7 cm langen, linealischen, derben Blätter sind gegenständig am Stängel angeordnet und am Grund scheidig verwachsen. Die Blattscheiden sind etwa 4mal so lang wie die 1- 4 mm breiten Blätter.[14, 19] Die Blattform und der Wachsüberzug auf den Blättern stellen ebenso wie der dichtrasige Wuchs der Pflanze eine Anpassung an die Trockenheit der Standorte der Kartäusernelke dar.[2]

Die schmalen, grasartigen Blätter sind am Grund zu einer Scheide verwachsen. Fotos: M. Neitzke

Die Zeichnungen des deutschen Naturforschers und Kupferstechers J. Sturm (1771 -1848)[16] (links) zeigen Details der Blüte und Früchte, sowie die Blätter und den Wurzelstock der Karthäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum): a) Pflanze, b) Blätter, c) Blattspitze, d) Blüte, e) Kronblatt, f) Kelch mit Hochblättern, g) Fruchtknoten, h) und i) Staubgefäße, k) aufgesprungene Frucht im Kelch, l) aufgesprungene Frucht, m) Samen. Foto: Zitronenfalter nektarsaugend auf dem Blütenstand einer Kartäuser-Nelke, Foto: M. Neitzke

Blütenbesucher der Kartäusernelke – wenn ein langer Rüssel von Vorteil ist



Aufgrund des Baus ihrer Blüten vermögen nur Tagfalter an den Nektar am Grund der Blütenkronröhre zu gelangen.[15, 17] Über 20 verschieden Schmetterlingsarten wurden bei dem Besuch der Blüten der Karthäuser-Nelke beobachtet.[3] Neben der nicht zu langen Kronröhre zeigt die Kartäusernelke weitere Merkmale, die sie zu einer sog. „Tagfalterblume“ machen. Dazu gehören neben der nach oben gerichteter Öffnung, die als Lande- und Operationsbasis dienende Scheibe, die von den Platten der Blütenblätter gebildet wird und die leuchtend rote Farbe. Viele Tagfalter sind ja in der Lage, im Gegensatz zu Bienen, Rot als Farbe sehen zu können.[6, 17] Zudem verströmen die Blüten einen angenehmen Duft, der auf das in dem ätherischen Öl enthaltene Eugenol zurückzuführen ist. Der Duft nimmt zur Basis der Blüte hinzu.[17] Der Blütenduft ist jedoch schwächer ist als bei den sog. Nachtfalterblumen.[6] Die Blüten blühen tags auf und schließen sich über Nacht.[17] Allerdings erfreut sich die Kartäusernelke nicht nur bei Tagfaltern großer Beliebtheit. Auch Schwebfliegen, die es auf den Pollen der weit aus der Blütenkronröhre herausragenden Staubbeutel abgesehen haben, sind oft in großer Zahl auf den Blüten zu beobachten. Da sich im weiblichen Zustand auch die Narben weit über die Blütenoberfläche erheben, können auch die pollenfressenden Schwebfliegen zur Bestäubung der Kartäusernelke beitragen.[17]

Ein häufiger Besucher der Blüten der Kartäuser-Nelke ist der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni). Seinen 16-17 mm langen, dünnen Rüssel kann der Zitronenfalter leicht durch die kleine Öffnung in der engen Röhre bis hinunter an die Nektarquelle am Grund der Blütenkrone schieben. Foto: M. Neitzke

Der Große Kohlweißling (Pieris brassicae) ist ein eifriger Besucher der Blüten der Kartäuser-Nelke. Mit gekonntem Schwung versenkt er seinen etwa 16 mm langen Rüssel in der Öffnung zur Blütenkronröhre. Allerdings muss er zusätzlich seinen Kopf noch tief in die Öffnung stecken, um den Nektar am Grund der Blüte zu erreichen. Er gehört mit einer Flügelspannweite von 50 - 65 mm und einer Körperlänge von etwa 30 mm zusammen mit dem selteneren Baumweißling (Aporia crataegi) zu den größten heimischen Arten aus der Familie der Weißlinge (Pieridae). Charakteristisch sind die breiten schwarzen Flecken an den Spitzen der Vorderflügel. Die Weibchen tragen zusätzlich auf den Vorderflügeln 2 große schwarze Punkte. Die gelblich weiße Unterseite zeigt keine deutliche Zeichnung. Fotos: M. Neitzke

Der Schwarzkolbige Braun-Dickkopffalter (Thymelicus lineola) gehört zu der Familie der Dickkopffalter (Hesperiidae). Ihren Namen verdankt diese Familie dem breiten Kopf der Tiere, der fast immer breiter ist als die Brust. Charakteristisch für diese Familie ist auch die Haltung der Flügel in der Ruhestellung, in der die Vorder- und Hinterflügel in einem spitzen Winkel zueinanderstehen (links). Der Schwarzkolbige Braun-Dickkopffalter ist ein kräftiger Falter mit einer Flügelspannweite von 22- 26 mm. Die Oberseite der Flügel weist eine lebhafte orangebraune Färbung auf. Der Rand der Flügel ist ebenso wie die Flügeladern dunkel gefärbt. Ein schmaler heller Saum umgibt den ganzen Flügel. Die Männchen weisen zusätzlich einem schmalen, schwarzen Duftschuppenstreifen in der Mitte des Vorderflügels auf. Charakteristisch für den Schwarzkolbigen Braun-Dickkopffalter sind die gelbbraunen Flügelunterseiten und die schwarzen, langgestreckten Fühlerkeulen. Der Schwarzkolbige Braun-Dickkopffalter ist sowohl trockenen als auch feuchten Lebensräumen zu Hause. Er ist daher oft nektartrinkend auf den Blüten der Kartäuser-Nelke (Dianthus carthusianorum) zu beobachten. Fotos: M. Neitzke

Der Rostfarbige Dickkopffalter (Ochlodes sylvanus) gehört ebenfalls zu den Blütenbesuchern der Kartäuser-Nelke. Mit einer Rüssellänge von rund 16 mm kann er den Nektar am Grund der engen Blütenkronröhre ausbeuten. Der Rostfarbige Dickkopffalter zeigt den für die Familie der Dickkopffalter (Hesperiidae) typischen breiten Kopf und den gedrungenen, stark behaarten Körper. Sein deutscher Trivialname bezieht sich auf die rostbraune Grundfärbung der Flügeloberseite. Die ebenfalls rostbraun gefärbten Unterseiten der Flügel weisen einen deutlichen Grünanteil auf. Die Oberseiten der Flügel weisen eine auffällige dunkle Aderung, helle, gelb-orangene Flecken und einen breiten braunen Rand auf. Die Flecken auf der Unterseite der Hinterflügel sind matt gelb bzw. gelb-braun ohne scharfe Umrandung. Ein wichtiges Kennzeichen dieser Art sind die umgebogenen Spitzen an den Fühlern. Mit einer Flügelspanweite von 25 – 33 mm gehört der Rostfarbige Dickkopffalter der zu den kleinen heimischen Tagfaltern. Eine wichtiges Artkennzeichen sind die umgebogenen Spitzen an den Fühlern. Fotos: M. Neitzke

Die Hainschwebfliege (Episyrphus balteatus) ahmt mit ihrer schwarz-gelben Färbung das Erscheinungsbild einer Wepse nach, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Während sich die erwachsenen Tiere von Nektar und Pollen ernähren, leben ihre Larven räuberisch und ernähren sich von Blattläusen. Innerhalb von 1-2 Wochen kann eine Larve bis zu 800 Blattläuse aussaugen. Fotos: M. Neitzke

Die kleinen, nur 10-15 mm langen Späten Großstirnfliege (Scaeva pyrastri) ernähren sich u.a. von dem Pollen der Blüten der Kartäuser-Nelke. Das auffälligste Merkmal der Späten Großstirnfliege sind die weißlich gelben bandartigen Flecken auf den ersten 3 Hinterleibsabschnitten des matt schwarzen Hinterleibes. Während die Flecken auf dem erste Hinterleibsabschnitt gerade sind, sind die Flecken der beiden folgenden Paare gekrümmt und aufwärts gebogen, so dass sie nahezu den oberen Rand des jeweiligen Abschnitts berühren. Die Hinterränder der Hinterleibsabschnitte glänzen auffallend stahlblau (links). In dem grau gelben Gesicht verläuft eine bräunliche Mittellinie (rechts). Fotos: M. Neitzke   

Die Gemeine Langbauchschwebfliege (Sphaerophoria scripta) ist eine schlanke Schwebfliege, deren langgestreckter Körper ein auffälliges gelb-schwarzes Streifenmuster aufweist. Die Larven ernähren sich von Blattläusen, die erwachsenen Tiere von Nektar und Pollen. Die Weibchen legen bis zu 1000 Eiern in Blattlauskolonien ab. Fotos: M. Neitzke

Eine Grüne Schmuckwanze (Calocoris affinis) ist auf den auffällig blau gefärbten Pollen der Blüten der Kartäuser-Nelke aufmerksam geworden. Foto: M. Neitzke

Literatur:


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  12. https://moumoujuis.com/ingredients/dianthus-carthusianorum-flower-leaf-stem-extract
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  18. Oberdorfer
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  22. Zeus mit Adler, Gipsabdruck, Intaglio, Abformung aus der Intagliosammlung von Giovanni Liberotti, TheCameoLover.etsy.com