Gelbband-Torfschwebfliege –
Die singende Schwebfliege

Steckbrief:
Länge: ♀: 14-18 mm, ♂: 14-18mm
Flügelspannweite: 25-30 mm
Farbe: Grundfarbe schwarz, schwarz mit 3 breiten, gelben, in der Mitte unterbrochenen Binden.
Artbeschreibung:
Die Gelbband-Torfschwebfliege oder Große Torfschwebfliege (Sericomyia silentis) gehört zur Familie der Schwebfliegen (Syrphidae) aus der Ordnung der Zweiflügler (Diptera). Es handelt sich um eine kräftige, gedrungen gebaute Schwebfliege mit einem ovalen Hinterleib. Mit einer Körperlänge von 15-18 mm gehört sie zu den größeren Schwebfliegen. Der schwarze Hinterleib weist 3 breite, gelbe Binden auf, die in der Mitte unterbrochen sind. Das Hinterleibsende ist bei den Weibchen gelb gefärbt, im Gegensatz zu der verwandten Weißband-Torfschwebfliege (Sericomyia lappona).[4, 5,7, 8, 9] Bei dieser sehr ähnlichen Art ist der Hinterrand des 4. Hinterleibsabschnittes schwarz. Das gelbe Bändermuster auf dem Hinterleib ist auch für den deutschen Trivialnamen „Gelbband-Torfschwebfliege“ verantwortlich. Aufgrund dieses auffälligen schwarz-gelben Streifenmusters auf dem Hinterleib ähnelt die Gelbband-Torfschwebfliege dem Erscheinungsbild einer Wespe. Die Gelbband-Torfschwebfliege ist ein Beispiel für das in der Familie der Schwebfliegen häufig anzutreffende Phänomen der Mimikry, in diesem Fall für eine „Wespenmimikry“.[1, 2, 3] In der Biologie wird die Nachahmung des Erscheinungsbildes bestimmter Tiere und Pflanzen durch andere nicht mit ihnen verwandter Tiere und Pflanzen als “Mimikry“ bezeichnet. Dieser Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Nachahmung/Nachbildung“. Ahmen harmlose Tiere in ihrem Aussehen oder auch Verhalten wehrhafte Tiere nach, wie in dem Fall vieler Schwebfliegen, so spricht man auch von einer „Batesschen Mimikry“. Die Bezeichnung dieser Form der Mimikry geht auf die Entdeckungen des englischen Naturforschers und Evolutionsbiologen Henry Walter Bates (1825-1892) zurück. Diese Nachahmung eines wehrhaften Insektes durch ein wehrloses soll dem „Nachahmer“ einen besseren Schutz vor Feinden bieten.[1]

An der auf einem Zweig der Besenheide (Calluna vulgaris) ruhenden Gelbband-Torfschwebfliege (Sericomyia silentis) ist deutlich das namengebende Musterung des Hinterleibes, bestehend aus drei breiten, gelben, in der Mitte unterbrochenen Bändern und das charakteristische gelbe Hinterleibsende zu erkennen. Foto: M. Neitzke
Aber nicht nur die gelb-schwarze Musterung des Hinterleibes der Gelben Torfschwebfliege erinnert an das Aussehen unserer Gemeinen (Vespula vulgaris) oder Deutschen Wespen (Vespula germanica), auch im Bereich der Brust lassen sich oberflächliche Ähnlichkeiten zwischen Vorbild und Nachahmerin erkennen. So fallen an der glänzend schwarzen Brust der Gelben Torfschwebfliege die vorne seitlich, am Übergang vom Kopf zum Rumpf gelegenen, gelb behaarten Schulterschwielen (Humeralcallus, Callus humeralis) auf. Durch ihre Farbe und Textur heben sie sich deutlich von der schwarzen Brust ab und erinnern an die auffälligen Schulterpolster von Uniformen. Zugleich gemahnen sie an die an den Seiten der Vorderbrust horizontal verlaufenden geraden, gelben Streifen der Gemeinen Wespe (Vespula vulgaris). Allerdings fehlen der Gelbband-Torfschwebfliege die vier markanten gelben Flecken auf dem hinteren Teil der Brust, die die Gemeine Wespe besitzt. Lediglich die starke gelbe Behaarung am unteren Rand des schwarzen bis rötlichgelben Schildchens (Scutellum) und die auffallend gelben Flügelschüppchen an der Flügelbasis setzen gelbe Akzente an der Brust (Thorax). Die mit einem auffälligen gelb-orangenen Haarsaum versehenen Flügelschüppchen liegen zwischen dem Flügelgelenkt und dem Schildchen und überdecken schützend die Schwingkolben (Halteren). Bei ihnen handelt es sich um die umgewandelten Hinterflügel der Fliegen. Neben den Augen stellen sie das wichtigste Gleichgewichtssinnesorgan der Schwebfliegen dar. Ein Verlust oder die Funktionslosigkeit der Schwingkölbchen führt zum Verlust des Flugvermögens.[1]

Wichtige Merkmale der Gelbband-Torfschwebfliege (Sericomyia silentis) auf einen Blick. Foto: M. Neitzke

Die vorne seitlich an der Brust gelegenen, gelb behaarten Schulterschwielen der Gelbband-Torfschwebfliege stehen in auffälligem Kontrast zu der schwarzen, nur spärlich behaarten Brustoberseite (rechts). Sie vermitteln einen ähneln Eindruck wie die an den Seiten der Vorderbrust horizontal verlaufenden geraden, gelben Streifen der Gemeinen Wespe (Vespula vulgaris) (links). Fotos: M. Neitzke
In auffallendem Kontrast zu dem, trotz des gelben Streifenmusters auf dem Hinterleib, vorwiegend dunkel wirkenden Körper der Gelbband-Torfschwebfliege, steht das helle Gesicht. Das gelb gefärbte Gesicht ist markant nach unten gezogen und weist in der Mitte eine schwarze Linie (Mittelstrieme) auf. An den beiden Außenseiten des Gesichts schließen direkt an den unteren Rand der Facettenaugen die ebenfalls schwarzen Backen an. [4, 5, 7, 8] Das Gesicht wird, vor allem bei den Männchen, bei denen die Augen direkt aneinanderstoßen, von den großen unbehaarten Facettenaugen dominiert. Sie nehmen fast die gesamt Fläche der Außenseiten des Gesichts ein. Während sie bei den Männchen direkt aneinanderstoßen, sind sie bei den Weibchen durch die breite, schwarze, grau bestäubte Stirn getrennt. Diesen Unterschied in der Augenstellung zwischen den Geschlechtern findet man bei vielen Schwebfliegenarten (Sexualdimorphismus). [1] Die Augenstellung der Männchen führt zu einer starken Erweiterung des Sichtfeldes der Männchen verhilft ihnen so zu einem besseren Sehvermögen während des Fluges. Durch das Zusammenstoßen der Augen am Scheitel haben die Männchen nahezu keinen toten Winkel nach oben und vorne. Da die beiden Augen oben direkt aneinanderstoßen, überschneiden sich die Sehachsen der Einzelaugen in diesem Bereich perfekt. Sie ermöglicht ein hochpräzises räumliches Sehen im oberen und vorderen Gesichtsfeld. Dieses ermöglicht es ihnen, Weibchen oder Rivalen schneller zu entdecken. Das Gesicht der Gelbband-Torfschwebfliege mit der schwarzen Mittellinie erinnert entfernt an die gelben Gesichter der Gemeinen (Vespula vulgaris) und Deutschen Wespe (Vespula germanica) mit ihrer schwarzen Zeichnung auf dem gelben Kopfschild (Clypeus). Die Fühler, als auffälligste Anhängsel des Kopfes sind dunkel (schwarz – bis rötlich braun) und besitzen eine auffällige, lang gefiederte Fühlerborste.

Das gelbe, nach unten gezogene Gesicht der Gelbband-Torfschwebfliege weist eine schwarze Mittellinie und schwarze Wangen auf. Foto: M. Neitzke

Auch in der Zeichnung der Gesichter besteht eine gewisse Ähnlichkeit zwischen der Gemeinen Wespe (Vespula vulgaris) (links) und der Gelbband-Torfschwebfliege (Sericomyia silentis) (rechts). Die schwarze Gesichtszeichnung der Gemeinen Wespe erinnert an einen Anker oder einen auf dem Kopf stehenden Hammer. Fotos: M. Neitzke

Die Stellung der Augen ist ein charakteristisches Unterscheidungsmerkmal zwischen den Geschlechtern. Während bei den Männchen die Augen direkt aneinanderstoßen (links), sind sie bei den Weibchen durch die breite, schwarze, grau bestäubte Stirn getrennt (rechts). Fotos: M. Neitzke
Die Beine der Gelbband-Torfschwebfliege sind überwiegend von rötlichgelber Farbe. Nur die Basis der Schenkel und die beiden letzten Fußglieder sind schwarz gefärbt. Bei den Männchen sind die Schenkel (Femur) und Schienen (Tibia verdickt) der Hinterbeine verdickt. Am Schenkelring (Trochanter) weisen sie zusätzlich einen spitzen Höcker auf.[4, 5, 7, 8]

In der Seitenansicht der Gelbband-Torfschwebfliege ist die überwiegend rötlichgelbe Färbung der Beine deutlich zusehen. Nur die Basis der Schenkel (Femur) und die beiden letzten Fußglieder sind schwarz gefärbt. Ebenfalls deutlich in der Seitenansicht zu erkennen ist die Tatsache, dass die gelben Querstreifen die Seitennaht erreichen, was bei der zweiten in Deutschland heimischen Art, der Weißband-Torfschwebfliege (Sericomyia lappona) nicht der Fall ist. [8] Foto: M. Neitzke
Die 9,5-14 mm langen Flügel sind weitgehend durchsichtig (hyalin) und klar. An den Spitzen und dem vorderen Rand sind sie oft leicht bernsteinfarben oder rauchig getrübt. Die Flügeladern sind aufgrund ihrer dunklen bis kräftig schwarzen Färbung deutlich sichtbar und bilden einen deutlichen Kontrast zu der klaren Membran.[4, 5, 7, 8]

Die Gelbband-Torfschwebfliege hält ihre Flügel in der Ruhestellung, wie etwa hier beim Sonnenbaden, halb ausgebreitet (V-förmig vom Körper abgespreizt). Foto: M. Neitzke
Lebensweise
Die erwachsenen Tiere fliegen von Ende Mai bis Oktober in zwei Generationen. Die erwachsenen Tiere ernähren sich von Nektar und Pollen und besuchen hierbei Blüten verschiedener Pflanzenfamilien. Neben Korbblütlern, Doldenblütlern, Rosengewächsen, Lippenblütlern stehen auch Efeublüten auf dem Speiseplan. Zu Blütezeit der Besenheide wird diese von der Gelbband-Torschwebfliege bevorzugt aufgesucht. Dafür werden oft weite Strecken in Kauf genommen. [6, 8, 9] Die erwachsenen Fliegen sind ausdauernde Flieger, die weit entfern voneinander liegende Biotope aufsuchen können.[5] Um Bienen von den Blüten zu ver-treiben, auf die sie es abgesehen haben, können beide Geschlechter während des Fliegens laute Summtöne von sich geben.[4, 5]
Fortpflanzung:
An den Futterpflanzen suchen die Männchen auch gezielt nach paarungsbereiten Weibchen. Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier gezielt an extrem feuchten Stellen, wie Moorlöchern, morastigen und moorigen Böden oder verwesende Torfrasen ab. Hier finden die Rattenschwanzlarven, die aus den Eiern schlüpfen optimale Lebensbedingungen. Mit Hilfe des ausgestülpten Atemrohres können die Larve beim Aufenthalt unter der Wasseroberfläche, wie mit einen Schnorchel Luft in ihr Tracheensystem aufnehmen. [1, 8, 9]
Verbreitung/Vorkommen:
Die Gelbband-Torfschwebfliege ist in den gemäßigten und kalten Gebieten der Nordhalbkugel verbreitet. [5, 9]
In Mitteleuropa findet man sie in Mooren, feuchten Biotopen und auf Heidegebieten.[9]
Literatur:
- Bastian, O. (1986): Schwebfliegen, Neue Brehm-Bücherei, Band 576, Ziemsen, Wittenberg.
- Golding, Y. C., Edmunds, M. & A. R. Enos (2005): Flight behaviour during foraging of the social wasp Vespula vulgaris (Hymenopters: Vespidae) and four mimic hoverflies (Diptera: Syrphidae) Sericomyia silentis, Myathropa florea, Helophilus sp. and Syrphus sp. J. Exp. Biol., 208: 4523-4527.
- Howarth, B., Clee, C. & M. Edmnds (2000): the mimikry between British Syrphidae (Diptera) and Aculeate Hymenoptera. Br. J. Ent. Nat. Hist., 13: 1-40.
- https://arthropodafotos.de
- https://de.wikipedia.org>wiki>Große_Torf-Schwebfliege
- https://www.biodiversität-und-schönheit.de/Pflanzenvielfalt
- https://www.insekten-sachsen.de
- https://www.natur-in-nrw.de>Schwebfliegen>TSW-392 (Axel Steiner)
- Kormann, K. (2002): Schwebfliegen und Blasenkopffliegen Mitteleuropas. Fauna Naturführer Band 1, Fauna Verlag, Nottuln, 270 S.
